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Auf Wiedersehen, Dresden!

Von Bayreuth nach Berlin

Ich ziehe nach Berlin. Diese Entscheidung ist im letzten halben Jahr in mir gereift und heute treibt mich das gleiche Bauchgefühl dorthin, welches mich 2009 schon nach Dresden geführt hat. Diese schöne Stadt an der Elbe – insbesondere die Neustadt – hat mir so viel gegeben, hat mich verändert und doch ist sie mir mittlerweile einfach zu klein geworden. Durchgespielt, ich habe das Gefühl, bereits alles gesehen zu haben. Und dazu kommt: ich sehe keine politische Perspektive mehr.

Vor sechs Jahren bin ich hierhergekommen um politisch aktiv zu werden, im konservativ-saturierten Bayern sah ich dazu keine Chance – und als Kind Bayreuths war mir Dresden damals nicht zu klein und nicht zu groß. Konkrete politische Pläne hatte ich anfangs keine und so lernte ich zwei Jahre später meinen besten Freund und die Piratenpartei am gleichen Tag kennen. Das war eine unglaubliche Zeit, die mich linker gemacht und mir bis heute so viele großartige Freunde geschenkt hat.

Keine progressive Perspektive

Warum ich glaube, dass das mit der Piratenpartei vorbei ist, habe ich bereits vor einiger Zeit ausführlich beschrieben. Dass ich allerdings auch darüber hinaus auf absehbare Zeit keine progressive Perspektive mehr in Sachsen sehe, ist eine relativ neue Erkenntnis. Ja, Pegida hat dazu beigetragen – oder besser gesagt: der Kuscheldiskurs, welcher mit diesen Reaktionären geführt wird. Die Neustadt (und Leipzig) sind leider zu klein um ganz Sachsen zu verändern, dieses rechtsoffene Bundesland braucht noch viele Jahre.

Von Berlin verspreche ich mir avantgardistische Ideen, neue Inspirationen, spannende Bekanntschaften und eine progressive politische Perspektive. Ob Grundeinkommen, Liquid Democracy, Cyborg-Rechte, Post-Privacy, polyamore Lebenskonzepte, solidarischer Grundkonsens oder Start-Up-Mentalität – viele dieser Diskurse sind hier zu Hause, am Puls der Zeit. Ich habe aktuell genauso wenig konkrete Pläne wie vor sechs Jahren, aber ich vertraue darauf, dass ich meinen Weg finden werde.

Es gibt noch Hoffnung

Für Dresden habe ich im Übrigen trotzdem noch Hoffnung. Ich teile zwar Jans Bedenken zum großen Teil, doch gibt es drei Entwicklungen, die zeigen, dass sich Dresden – wenn auch langsam – zu einer „normalen“, weltoffenen Großstadt wandelt. Erstens der große Erfolg der Blockaden, welche die Nazi-Aufmärschen quasi gänzlich gestoppt haben. Zweitens die erste linke Mehrheit im Stadtrat, die vor einem Jahr gewählt wurde. Und drittens der Geburten-Boom, welcher Dresden tendenziell immer jünger macht. Das Aufbäumen von Pegida ist letztlich genau hierauf die Reaktion: ihr Milieu gerät, zumindest in Dresden, sukzessive in die Minderheit.

Vielleicht kommt im Juli noch ein vierter Hoffnungsschimmer hinzu – mit Eva-Maria Stange könnte erstmals eine Kandidatin der linken Mehrheit Oberbürgermeisterin werden. Zwar habe ich bereits ab Mitte April mein neues WG-Zimmer in Berlin, doch Wohnung und Wohnsitz in Dresden werde ich für eine Übergangszeit noch behalten. So kann ich hier noch zu Ende studieren, meinen Ortsbeiratssitz weiter ausüben und diesen Sommer eine neue OB wählen. Und wer weiß, vielleicht lebe ich irgendwann wieder im schönen Dresden, dann aber sicherlich in der Neustadt.

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