Tabuisieren und Ausgrenzen!

Zum Umgang mit der AfD.

Gestern bekam schon wieder eine Vertreterin der rassistischen AfD eine bundesweite Bühne im Fernsehen geboten – gleichzeitig wird die Ankündigung der Minister-präsidentinnen von Rheinland-Pfalz und NRW, mit Mitgliedern eben dieser Partei kein Podium zu teilen, kontrovers diskutiert. Was ist der richtige Weg im Umgang mit der sogenannten „Alternative für Deutschland“? Ich meine: Konsequentes Tabuisieren und Ausgrenzen!

Die Anhängerschaft dieser reaktionären Gruppierung ist in hohem Maße frustriert, wutbürgerlich prekär und wahnhaft verängstigt. Rassistische Menschenfeindlichkeit ist ihr Ventil. Sie sieht sich als Opfer der Geschichte, als erleuchtete Minderheit mit Kenntnis der tatsächlichen Wahrheit, als Kämpferin gegen den verschworenen Lügenpresse-Mainstream. Der Versuch, diese diffusen Ängste, diese Irrationalität mit noch so korrekten rationalen Argumenten zu entlarven, kann nur scheitern. 

Ja, das Bloßstellen bleibt ohne Wirkung – doch die menschenfeindlichen Erklärungs-muster bekommen Bühne, Raum, Legitimation. Ihre Reichweite wird vergrößert ohne dass ihnen die verlockende Grundlage entzogen wird. Denn Frust, Wut und Hass lassen sich nicht sachlich widerlegen. 

Wir sollten alle Haltung zeigen und diese rassistische Partei gesellschaftlich tabuisieren und ausgrenzen. Entzaubern ließe sie sich nur durch tatsächliche politische Verantwortung und das darf niemals geschehen! Die nächsten Jahre werden heftig, wir müssen durchhalten bis diese gesellschaftliche Krise gemeistert ist. 

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5 Gedanken zu „Tabuisieren und Ausgrenzen!

  1. mcnesium sagt:

    Und durch das konsequente Tabuisieren und Ausgrenzen geht die rassistische Menschenfeindlichkeit dann von allein weg?

    • Fl0range sagt:

      Hallo McNesium,

      nein natürlich geht sie dadurch nicht weg. Aber sie bekommt weniger Bühne, Raum, Legitimation. Leider glaube ich nicht, dass du sie jemals ganz wegbekommen wirst, wie gesagt, das ist absolut irrational und daher hochgefährlich.

      • mcnesium sagt:

        Es ist doch nur demokratisch, ihnen die gleichen Rechte zu gewähren wie allen anderen auch. Nur dann kann man den Unfug widerlegen, den sie von sich geben, und Gegenargumente vorbringen. Darauf muss man natürlich vorbereitet sein. Es ist jedoch nur Wasser auf deren Mühlen, wenn sie aber von der Öffentlichkeit ausgeschlossen werden, Stichwort Lügenpresse. Davon verschwinden sie nicht, du kannst sie in deiner Filterblase nur nicht mehr sehen.

        Lies mal diesen Artikel über rechte Gewalt in Heidenau. Alle wundern sich, wo der ganze Hass plötzlich herkommt, dabei ist das überhaupt kein neues Phänomen, der war schon immer da.

        Ich empfinde es als positiv für unsere Gesellschaft, dass jetzt endlich mal an die Oberfläche sickert, wie viel braunes Gedankengut eigentlich unter uns weilt. Nur so können wir wirklich was dagegen tun. Aber nicht durch Ausgrenzung und Ignoranz, sondern allein durch Bildung! Denn eigentlich wollen wir doch gar nicht, dass die Nazis weg gehen (wohin denn?) sondern dass sie aufhören, Nazis zu sein.

  2. Christian sagt:

    Mal rein abseits von demokratietheoretischen Aspekten:
    Dein Argument enthält eine versteckte Prämisse, die du nicht weiter stützt: du gehst nämlich offenbar davon aus, dass es keine negativen Effekte der Ausgrenzung gäbe bzw. diese zumindest zwingend geringer als die positiven Effekte seien. Das halte ich für alles andere als selbst-evident, da gibt’s nämlich einige denkbare, z.B. 1) Festigung der Bindung durch Polarisierung 2) Kritische Masse der rechtspopuplistischen Bewegungen ist längst erreicht, so dass Ausgrenzung/Tabuisierung de facto nicht mehr möglich ist 3) Quasi-Solidarisierungseffekte bei Nicht-AfD-Anhängern (die zwar die AfD nicht mögen aber den Umgang mit Ihnen kritisieren*) 4) Ausgehend vom letzten ggf. sogar Übertritte von Leuten die auf der Kippe stehen.

    • Fl0range sagt:

      Hallo Christian,
      unser Gespräch letzte Woche hat mich übrigens dazu motiviert, diesen Blogpost zu schreiben – also schon mal danke. 😉

      Ja ich lege diese Prämisse zu Grunde, das ist richtig. Und wenn ich abwäge, sind für mich die tabusierenden Faktoren, die du darlegst, immer noch weniger „schädlich“ auf lange Sicht, als die „Zähmungsfaktoren“ oder wie wir das Gegenteil der Tabuisierung nennen wollen. Ich sage es mal wirtschaftlich: Angebot schafft Nachfrage, d.h. je mehr Frustrierte mit solch einem menschenfeindlichen Erklärungsmuster in Kontakt kommen, desto mehr werden es nachfragen. Ich halt den Effekt der gesellschaftlichen Ausgrenzung für effektiver (symbolisch sowie faktisch) als den Protest- und Solidarisierungseffekt jener, die scheinbar nur die Umgangsform mit der AfD verurteilen.

      Am besten lass uns das Mittwoch am späten Abend wieder weiterdiskutieren!

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