AmazingBPT

Gemeinsam in die Zukunft 

In zwei Tagen beginnt die Zukunft. Auf dem ersten außerordentlichen Bundesparteitag unserer Partei sehnen sich viele eine Entscheidungsschlacht zwischen dieser und jener politischen Strömung herbei. Zu dieser falschen Hoffnung auf eine einfache Lösung hat bereits gestern @Moonopool etwas sehr weises gebloggt. Ich glaube nicht an das große Chaos übermorgen in Halle, ich glaube viel mehr dass dies ein außerordentlicher guter Parteitag werden kann.

Unsere Vielfalt ist Stärke

Hier geht es nicht um Aktivismus oder Parteipolitik, die PIRATEN sind beides und können beides vereinen – unsere Strömungen sind kein Widerspruch. Auf jede Frage nach dem Programm nickt die große Mehrheit zustimmend. Wir haben viel eher ein Problem mit Respekt und Toleranz. 

Der Respekt fehlt weil wir mangelhaft kommunizieren, die Toleranz fehlt, weil wir die Vielfalt unserer Partei nicht ertragen wollen, denn Vielfalt ist anstrengend. Doch unsere Partei ist so dezentral und hierarchiearm wie das Netz strukturiert, hier ist Platz für viele politische Nischen. Und das ist eine echte Stärke. Innovation bildet sich stets in Nischen und die Offenheit unserer Partei spült diese neue Ideen schnell nach oben.

Einige haben aus den Niederlagen der letzten Jahre geschlossen, dass wir wieder ein klares Profil brauchen, dem stimme ich zu. Nur ist das kein Profil der Vergangenheit,  sondern buchstäblich ein Profil der Zukunft. Wir haben eine umfassende Zukunftsvision, zu welcher die Kernthemen wie auch Vielfalt und Pluralismus gehören. Dank @Michamo und @Incredibul haben wir bald eine Gelegenheit genau darüber zu reden.

Die Zukunft liegt im Kern

Unsere Kernthemen sind positive Freiheitsrechte – und unterscheiden sich damit nicht von der restlichen progressiven Gesellschaftspolitik. Ob Modernisierung des Urheberrechts, Transparenz und Mitbestimmung, Bildung und informationelle Selbstbestimmung – hierdurch zieht sich der gleiche orange Faden wie durch das bedingungslose Grundeinkommen, durch eine grenzenlose Asylpolitik oder durch einen wachsamen Antifaschismus. Wir wollen immer Grundrechte ausbauen, neue Freiheiten ermöglichen!

Bei all diesen Punkten fließen manche Strömungen neu zusammen, bilden sich neue Allianzen, wo zuvor keine bestanden. Aber es gilt: Wir wollen alle die politische Teilhabe aller Menschen ausweiten, Grundrechte und Selbstbestimmung ausbauen. Jeder Spezialist mit seiner Nische ist Teil unserer politischen Vision. Die Zukunft liegt im Kern – auch in unserem Kern wollen wir (ver)ändern, wollen wir Aufbruch und (digitale) Revolution. In unserem Kern sind wir eine kulturoptimistische Zukunftspartei. 

Ein Neuer Gesellschaftsentwurf

Wenn davon gesprochen wird, dass wir ein Profil brauchen, wird darauf verwiesen, dass wir nur glaubwürdig für die Netzthemen stehen können. Das ist aber ein Trugschluss – ja wir stehen für das Netz, für eine neue Technologie mit globalen revolutionären Auswirkungen. Aber in der Zukunft wird das Netz allgegenwärtig sein und daher haben wir die Glaubwürdigkeit für die Zukunft zu stehen, für die Vision eines globalen Netzes, für einen neuen digitalen Gesellschaftsentwurf. 

Gerade in der aktuellen nüchternen politisch-beliebigen Epoche ist die Sehnsucht nach großen Erzählungen, nach politischer Vision stark. Wir können dieses Bedürfnis stillen – glaubwürdig, denn wir sind neu und wir kommen aus dem Netz. Wir entwickeln uns an einer universellen Konfliktlinie und stehen am historischen Anfang einer global echtzeit-vernetzten Welt. 

Im Netz haben wir einen neuen Gesellschaftsentwurf gefunden, bei dem der mündige Mensch im Mittelpunkt steht, die Fortentwicklung der Aufklärung. Wir kämpfen für  diskriminierungsfreie Teilhabe für alle und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Für die Gleichstellung aller Menschen – inklusiv und barrierefrei. Für plattformneutrale Infrastruktur und säkulare Staaten. Wir denken und handeln kosmopolitisch, kollaborativ und transnational – partizipativ und solidarisch, frei und grenzenlos! 

Digitale Revolution erzwingen

All das könnte auf den technischen Wandel folgen, doch ohne eine vereinigte politische Kraft, die dafür einsteht, wird unser Traum nicht in Erfüllung gehen. Wir müssen gemeinsam wieder radikaler werden, wir müssen die digitale Revolution erst erzwingen!  

Das kann unser Profil werden – eine Zukunftsvision, ein revolutionärer digitaler Gesellschaftsentwurf, für den wir einzig die Glaubwürdigkeit besitzen. Sozial, liberal und progressiv – das heißt: Veränderung gegenüber positiv eingestellt zu sein, dem Wandel gestaltend entgegen gehen, mit neuer Technologie die Welt verbessern, kultur-optimistisch in die Zukunft blicken. Fortschritt muss allen Menschen zu Gute kommen, Grund- und Freiheitsrechte müssen ausgebaut werden. Frei kann der Mensch nur unter Gleichen sein.

Zukunftsparteitag

Gemeinsame Identität braucht ein gemeinsames Ziel wie hier gut beschrieben wurde. Ich sehe die Chance, dass sich unser Pluralismus, unsere bunten, vielfältigen Gruppen in einer solchen Zukunftspartei wiederfinden können. Auch wenn wir oft zwischen Angst und Mut taumeln, müssen wir für ein solches Wagnis mit all den Drohungen aufhören und mit der Hoffnung anfangen.

Dieser Bundesparteitag wird amazing, wenn wir selbst anfangen an unsere Zukunft zu glauben. Wenn wir die Sehnsucht nach der Vergangenheit ablegen und die Vorfreude auf die Zukunft endlich auch konsequent leben. Wir brauchen nicht für alles einen zwangsweisen Konsens, uns reicht ein visionäres Dach, unter dem unsere gelebte Vielfalt Platz findet. 

Wir brauchen nicht ständig Kontrolle, sondern Vertrauen. Lasst euch nicht von der Angst des Scheiterns lähmen, sondern habt den Mut zur gemeinsamen Vielfalt. Dann müssen wir keine Scherbenhaufen aufräumen, sondern können aus den bunten Splittern ein neues Meisterwerk zusammensetzen. Ich werde dafür kämpfen.

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15 Gedanken zu „AmazingBPT

  1. Laser sagt:

    „müssen wir für ein solches Wagnis mit all den Drohungen aufhören“
    Und was willst Du genau dagegen machen?

    Gruß

    • fl0range sagt:

      Hallo Laser,

      ich möchte den Mitgliedern der Partei Mut machen und auch der Bevölkerung unsere Politik erklären und sie motivieren. Mit positiven Argumenten und nicht mit Drohungen wie „alles wird ganz schlimm, wenn.. nicht“ etc. Z.B. das Thema NSA – nicht „wir sind gegen gegen gegen Überwachung, kämpfen gegen gegen gegen den totalitären Staat“ (Drohung, Abschreckung, Angst), sondern „wir wollen eine offene Gesellschaft, in der sich alle möglichst frei entfalten können, ohne kontrolliert zu werden – frei und offen, das schließt ein Vorgehen wie das der NSA aus!“. Das mal als simples Beispiel 🙂

      Liebe orange Grüße, Floh

      • uwe sagt:

        „Die Bevölkerung“ will von den Piratten nichts mehr erklärt haben, da sie von Euch die Schnauze voll hat. Wer euch sachlich kritisiert wird als Troll bepöbelt und 30 Prozent der Wähler, die Rentner, soll bei eurem Programm verhungern.
        Am Besten wäre, die Piratenpartei liquidiert sich selbst und fängt von vorne neu an, mit neuem Namen, neuem Programm und neuen Köpfen.

  2. klaus sagt:

    Was soll „Gleichstellung aller Menschen“ eigentlich bedeuten? Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, waren die Menschen nicht gleich. Und wollten es auch nicht sein. Sie hatten verschiedene Vorstellungen von einem guten Leben, verschiedene Anforderungen, wollen sich verschiedenartig einbringen, haben verschiedene Geschmäcker, verschiedene Fähigkeiten, unterschiedliche Eigenschaften usw.

    Für mich klingt „Gleichstellung“ immer nach Einebnung, da ist keine Vielfalt in diesem Begriff. Ergebnisgleichheit beim outcome. Man könnte auch sagen Gleichschaltung, wenn man denn will. (Ich bin in der DDR aufgewachsen; habe damit so meine Erfahrung.)

    Dieser Begriff braucht Erklärung. Bis dahin ist er viel zu neblig.

    • fl0range sagt:

      Hallo Klaus,

      Gleichstellung aller Menschen bedeutet gleiche Zugangschancen zur Teilhabe an der Gesellschaft für alle Menschen, unabhängig von vorbestimmten Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Alter, körperliche Einschränkung, etc. Bei Wikipedia: „umfasst die Chancengleichheit und die soziale Gerechtigkeit auf Grundlage der Menschenrechte.“ Es geht also nicht um Gleichmacherei und Ergebnisgleichheit – denn Vielfalt und Individualität sind menschliche Stärken, die wir alle brauchen!

      Liebe orange Grüße, Floh

      • m sagt:

        Ja, das ist „Gleichberechtigung“, das weiß ich. GleichSTELLUNG hingegen ist etwas anderes. Dann ist auch etwas anderes gemeint.

        Nur, was?

  3. Steven sagt:

    Hi Flo,

    ich teile größtenteils deine Zukunftsvision und wollte diesbezüglich einmal wissen, ob du Jeremy Rifkin kennst. Dieser beschreibt, aus ökonomischer Sicht, eine Entwicklung von zentralisierter Machtausübung zur dezentralen bzw. lateralen Machtausübung. Da ich diese Entwicklung in unserer Wirtschaft bzw. auch in der Gesellschaft schon sehe, würde ich gerne wissen welche strukturellen Maßnahmen du in unserer Partei für möglich erachtest, dieser Entwicklung weiterhin Rechnung zu tragen. Denn im Grundtypus verstehe ich die Piraten als dezentral demokratisch strukturiert, lediglich das Parteiengesetz setzt uns ein gewisses Maß an Zentralismus vor.

    Gruß Steven

    • fl0range sagt:

      Hey Steven!

      Ja ich kenne Rifkin, aber habe ihn noch nicht intensiv studiert. Was du schreibst, klingt sehr interessant! Hast du Lust mir mal ne Mail zu schreiben deswegen? (floh.unterburger@web.de) – das könnte auch ein tolles Thema für eine Diskussionsveranstaltung sein 🙂

      Liebe orange Grüße, Floh

  4. Miranda sagt:

    Hallo,

    das hört sich ja alles nett an, aber es wird von niemanden vorgelebt. Fehler, auch grobe werden nach Einsicht nicht verziehen in unsere Gesellschaft. Man bekommt keine zweite Chance und bei den Piraten sieht man diese Tendenz besonders stark. insoweit sehe ich keinen Gleichklang zwischen dem Text, der Vision und den Verhalten. Wie soll das Bewusstsein dazu geändert werden?

    • fl0range sagt:

      Hallo Miranda,

      das geht leider nicht von heute auf morgen. Dazu müssen Köpfe gute Vorbilder abgeben, es wird ein langer Weg, aber ich glaube daran, dass es möglich ist.

      Liebe orange Grüße, Floh

  5. Anton sagt:

    Aha,

    die Zukunft liegt im Kern wie BGE, Asyl & Antifaschismus. Ich habe so meine Probleme mit diesem „Gesellschaftentwurf“. Wenn ich mich für Netzthemen interessiere, die digitale Evolution begleite bin ich bei einer Partei falsch, die ihre Schwerpunkte in der Sozialpolitik setzt.

    Die Linken setzen sich auch für Snowden ein. Da könnte ich gleich das Original wählen. Oder anders ausgedrückt: Diese Nebenwirkung der möglicherweise gut gemeinten Netzpolitik werde ich nicht mittragen.

    • fl0range sagt:

      Hallo Anton,

      wichtig ist: Netzpolitik und Kernthemen *sind* Teil des Gesellschaftsentwurfs. Es darf nicht nur um Soziapolitik gehen, wir müssen uns doch unterscheiden. Da bin ich voll bei dir – wir dürfen uns eben aber auch nicht nur beschränken, sonst enden wir als Nischenpartei.

      Liebe orange Grüße, Floh

  6. Eva Wittl sagt:

    Als Piratin, die sich aus dem aktiven Geschehen voller Schreck und Abscheu zurückgezogen hat muss ich dir widersprechen: Respekt entwickelt sich nicht aus ausreichender Kommunikation. Respekt ist eine Haltung, die man von vorneherein hat, oder nicht hat. Respekt zu haben, anderen Respekt zu zollen, ist unerlässilich um überhaupt kommunizieren zu können. Die verschiedenen Lager innerhalb der Partei kommunizieren deshalb nicht miteinander, weil sie sich verabscheuen und weil sie eben keinerlei Respekt den anders Denkenden gegenüber empfinden. Da gibt es die Linkenhasser, die Rechtenhasser, die Frauenhasser, die Männerhasser gibt es wahrscheinlich auch, habe ich aber nicht getroffen, ich habe eher Frauen dort angetroffen, die sich mit Männern zusammen gegen andere Frauen verbünden, warum ist mir bis heute schleierhaft…. Ja und dann gibt es die Machtmenschen, die als Amtsinhaber andere einfach mundtot machen, indem sie sie auf allen mailinglisten sperren, die Manipulierer, die Nerds, die Asperger Autisten und die sozial Kompetenten, auf die keiner hören will. Es gibt die Leute die wissen, wie man höflich miteinander umgeht und es gibt die, die keine Ahnung davon haben und dafür umso lauter schreien, rücksichtslos brutalst mit anderen umgehen. Es gibt keine Gesprächskultur, denn dies würde, wie schon gesagt, Respekt voraussetzen. Leider sind die allerwenigsten der Piraten damit natürlicherweise ausgestattet und deshalb prophezeihe ich den Piraten, dass sie es aufgrund dieser – und noch so einigen anderen fehlenden sozialen Kompetenzen nie mehr schaffen werden, jemals wieder so hohe Wahlergebnisse einfahren zu können, wie das vor ein paar Jahren noch möglich war…. es sei denn, man einigt sich auf einen Umgangs- /Ehrenkodex, der es ermöglicht ohne ständiges Hauen und Stechen miteinander umzugehen. Es wäre auch erforderlich, Leute, die durch ihr unmögliches Benehmen der Partei fortgesetzt schaden, oder ständig für Unruhe und Streit sorgen, aus der Partei auschließen zu können.

    • fl0range sagt:

      Hallo Eva,

      ja du hast Recht, Respekt entsteht nicht zwangsläufig durch Kommunikation, aber die Chancen werden erhöht. Ich denke unsere Kommunikation sorgt für Eskalation und immer weniger Respekt. Hoffentlich können wir das ändern!

      Liebe orange Grüße, Floh

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