Kandidatur zum Bundesvorsitz der Piratenpartei

Ich werde auf dem außerordentlichen Bundesparteitag für den Bundesvorsitz der Piratenpartei kandidieren. Nach reiflicher Überlegungszeit in den letzten Monaten, den krassen Verwerfungen innerhalb unserer Partei und dem abermals enttäuschenden Europawahl-Ergebnis möchte ich nichts unversucht lassen, meinen Anteil zu neuer Zuversicht und Stabilität zu leisten. 

Meine Vorstellungen für die Zukunft der Piratenpartei habe ich in bereits Ende März in einem Blogpost dargelegt. Wir brauchen nach wie vor mehr Mut zu Neuem, mehr Wagnis, mehr Risiko, mehr Offenheit – mehr Zukunftspartei. Detailliert finden sich meine Ideen auch hier und hier. Die Umsetzung dieser Ziele wird immer dringlicher.

Hinzu kommen zwei neue wichtige Erkenntnisse der letzten Monate. Erstens brauchen wir für eine kampagnenfähige Wahlkampforganisation unbedingt bezahlte Kräfte – denn Ehrenamtlichkeit stößt hier an ihre Grenzen. Geld einzuwerben muss die höchste Priorität für den kommenden Bundesvorstand sein. Zweitens haben die innerparteilichen Auseinandersetzungen ein unerträgliches Ausmaß an Eskalation erreicht. Wir kommen nur gemeinsam aus diesem Loch heraus und kein Lager wird gewinnen. Wenn es so weitergeht, werden wir alle verlieren. Ich will das nicht, ich will eine bunte Partei mit programmatischer Vielfalt. Ich will, dass wir endlich eine gemeinsame Identität finden unter der verschiedene politische Schwerpunkte Platz haben. Ich will, dass wir neue Brücken zueinander bauen. 

Dafür werde ich meine Erfahrungen aus dem LV Sachsen einbringen. Wir hatten hier früher sehr krasse Konflikte, konnten diese aber schließlich gemeinsam befrieden. Ich möchte dieses Partei als Vorsitzender wieder voranbringen, alleine habe ich dazu jedoch keine Chance – deswegen ist meine Kandidatur auch ein Aufruf an all jene, die meine Vision einer Zukunftspartei teilen. Bitte habt Mut ebenfalls zu kandidieren! Ich brauche, wir brauchen jeden Einzelnen von Euch.

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10 Gedanken zu „Kandidatur zum Bundesvorsitz der Piratenpartei

  1. Kai Grünler sagt:

    Ich sage Dir das, was ich anderen auch schon gesagt habe, ich werde Dich nicht wählen, weil ich Dich vor dem schützen will, was anderen Vorständen vor Dir auch schon zu Teil geworden ist. Dieses gebashe, gebeisse und niedergemache wird jetzt kaum nachlassen.
    Das andere ist, dass ich Dir das auch nicht wirklich zu traue, entschuldige die Offenheit. Du magst sicher schon viel angeleiert haben und manches sogar gut zu Ende gebracht haben, das reicht allein in meinen Augen nicht, da gehört auch ein gewisses Maß an Lebenserfahrung und Abgeklärtheit dazu, was ich Dir einfach abspreche, denn dann wäre im LV Sachsen auch vieles anders gelaufen, als Du da Vorsitzender warst.
    Ich kann Dich persönlich gut leiden und deshalb lobpreise ich Dich nicht und finde alles toll, sondern sage Dir: Lass es! Danke!
    Grüße, Kai

  2. Frank Kratzig sagt:

    Und wieso? DIese Partei wird nie mehr etwas großes reissen, dafür wurde sie in den Medien zu sehr zerrissen und das blieb in den Köpfen hängen.
    Zudem ist das nur unnötiger Streß und du musst damit rechnen gemobbt und gebast zu werden.
    Mach doch lieber etwas sinnvolleres… Popeln zum Beispiel.

  3. Name sagt:

    Bezahlte Kräfte und Geld einwerben als „höchste Priorität für den kommenden Bundesvorstand“?

    „Eichhörnchen“, „Homoheiler“ und „sexuelle Vielfalt im Unterricht“ sind die Schlagworte, die einem beim Lesen der Seite http://piraten-sachsen.de/ gerade ins Auge fallen. Sachsen hat in diesem Jahr Landtagswahlen.

    Mit einem Sachsen wird das nicht alles wieder in Ordnung kommen. Mit Bezahlkräften, deren vorrangiges Bestreben der Erhalt ihres Arbeitsplatzes sein wird, auch nicht.

  4. „Erstens brauchen wir für eine kampagnenfähige Wahlkampforganisation unbedingt bezahlte Kräfte – denn Ehrenamtlichkeit stößt hier an ihre Grenzen.“
    Das ist für mich einer der Hauptgründe warum die Piraten am Boden sind. Es sollte nur ein Empfehlung geben, was die einzelnen Regionen bei einer Wahl machen könnten. Aber ein Kampagne funktioniert nicht, sie nimmt nur Kreativität weg. Dieser professionalisierungs Versuch ist ein Grund warum die Piraten immer unattraktiv geworden sind. Was kommt den nach bezahlten Kräften? Bezahlte Werbeagenturen wie bei den anderen Partien. Bezahlte Kräfte sind nicht der Grund gewesen für den Erfolg vor 2 Jahren aber sie werden zur Demotivation beitragen.
    Aber vielleicht ihre ich mich ja und alles wird dadurch viel besser.

  5. Chriz sagt:

    Kandidieren sollte jeder der es sich zutraut, die Basis entscheidet.

  6. stahlrabe sagt:

    Hi FlOrange,

    ja, ich glaube, die gemeinsame Identität ist jetzt sehr wichtig. Ich bevorzuge dafür den Begriff des politischen Profils. Ich unterstelle auch, daß wir alle ein klares, politisches Profil etablieren wollen.
    Nur daß verschiedene Interessensgruppen ganz unterschiedliche Profile anstreben. So ich auch.
    Bedauerlicherweise schreibst Du nicht, WELCHE gemeinsame Identität Du finden möchtest. Auch Deine bisherigen angelinkten Posts sind da nicht nur vage, sondern sie geben keine Antwort auf eine politische Ausrichtung. In welche Richtung soll es gehen?
    Wie wäre es, wenn Du dazu klar Position beziehst, bevor Du Dich zur Wahl stellst?

    Gruß, Stahlrabe

    • fl0range sagt:

      Hallo Stahlrabe,

      der Begriff des politischen Profils gefällt mir gut, ich habe ihn sogleich beim Blogpost gestern genutzt. Ich habe da auch bereits Vorstellungen einer gemeinsamen Identität angerissen – in den nächsten Wochen kommt da noch mehr!

      Liebe orange Grüße, Floh

  7. Ben sagt:

    Ich hatte auf Twitter schon angedeutet, dass ich Dich für einen guten integrativen, nicht spalterischen Kandidaten halte (im Gegensatz zum ein oder anderen, der sonst auf der Liste steht). Ich möchte Deinem Statement hier nur insofern widersprechen, als ich das Geldeinwerben für ein sekundäres Problem halte, welches sich von selbst löst, wenn der Rest in Ordnung gebracht ist. Du solltest in den Mittelpunkt stellen, dass trotz aller erwünschten Vielfalt es klarer werden muss, wofür die Partei als ganzes steht, denn der Wähler kann nichts mit einer „Quantenpartei“ anfangen, er will nicht Schrödingers Katze im Sack kaufen. Zweifellos haben die schlechten Wahlergebnisse damit zu tun, dass wir nicht geeint aufgetreten sind, sondern oft genug ein Bild heilloser Zerstrittenheit geboten haben. Aber auch ein einheitliches Auftreten auf einer banalen Basis würde nichts nützen.

    Der neue Vorsitzende muss deswegen die Initiative ergreifen, eine Wertedebatte zu moderieren und zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, sodass man am Ende eine wohldefinierte Grundlage hat, zu der sich die große Mehrheit bekennen kann (wenn an den Rändern einige wegbrechen, ist das in Kauf zu nehmen), die aber trotzdem nicht zu schwammig ist und wo insbesondere der Unterschied zu den anderen Parteien klar hervortritt.

    Es geht darum, aus den verschiedenen Strömungen eine starke Synthese (und nicht irgendein Mischmasch, Mittelding oder Formelkompromiss) herauszuarbeiten. Insofern der scheinbare Widerspruch zwischen „links“ und „liberal“ verläuft, sollte dies gar kein Problem sein, denn „links“ bedeutet nicht autoritär und „liberal“ ist nicht rechts. Man muss nur „links“ mehr als Ziel und „liberal“ als Methode begreifen. Dieser Linksliberalismus vereint ja tatsächlich die große Mehrheit der Piraten, wenn man sieht, wieviele im Wiki den politischen Kompass mit dem Punkt im entsprechenden Quadranten haben. Und Positionen wie das BGE sind auch nicht nur liberal oder links, sondern exakt linksliberal – hier soll das soziale Ziel mit liberalen statt altsozialdemokratisch-paternalistischen Methoden erreicht werden, und darüber hinaus sind wir damit Avantgarde einer auf die Dauer ohnehin zwangsläufigen Entwicklung. Auf entsprechende Grundlagen einer solchen progressiven Politik für das Informationszeitalter sollten wir uns nach innen einigen können und das sollten wir nach außen gut vertreten können, im Bewusstsein, dass wir keine Volkspartei sind und uns nicht scheuen müssen, Dinge zu vertreten, die eben nicht jedem zu vermitteln sind. Das Potenzial für über 5% haben wir locker, wenn wir deutliche Positionen, basierend auf klaren Werten, selbstbewusst vertreten.

    Vergangenen Vorständen ist es anzulasten, dass man die Dinge hat schleifen lassen und entstehenden Konflikten tatenlos zugeschaut hat. Flügel sind in Ordnung, solange sie sich nicht feindlich werden. Zu der erwähnten politischen Wertegrundlage muss noch eine Grundlage von Umgangsformen kommen. Piraten guten Willens haben auch bei signifikanten Meinungsunterschieden keine Probleme miteinander, sie diskutieren Dinge entweder aus oder, wo keine Einigung zu finden ist, stimmen sie ab und die unterlegene Seite akzeptiert das Ergebnis. Wer aber durch persönliche Angriffe oder sonstiges asoziales Verhalten seinen mangelnden guten Willen zu erkennen gibt, der muss auch stärker als bisher gerügt oder aus Diskussionen (im Extremfall aus der Partei) entfernt werden. Hier muss der Vorsitzende mit eigenem guten Beispiel vorangehen und auf dieser Basis dann auch, wo nötig, Härte zeigen. Und er muss die Charakterstärke haben, sich selbst von dem – von Kai Grünler oben erwähnten – zu erwartenden Gebashe nicht unterkriegen zu lassen. Dann können wir wieder zu einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl kommen, welches Voraussetzung für politische Erfolge ist.

  8. […] und will es weiter ausbauen. Ansonsten: Trau keinen Blogpost, google selbst! Noch sonsten: Was Florian sagt, was Christophe sagt. Und was soviele andere kluge Menschen […]

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