Archiv für den Monat: Dezember 2013

2013

Mein Jahresrückblick

Ich habe einen Blog und werde ihn benutzen. 2013 war nicht gerade ein gutes Jahr, begonnen mit einer Trennung, die mich das ganze Jahr hindurch mitgenommen hat, dann vier bittere Wahlniederlagen der Partei, der mein Herz gehört und schließlich der, wenn auch knapp, gescheiterte Versuch, ebendieser Partei durch meine Bewerbung um die politische Geschäftsführung einen neuen Spin zu geben. 

Die Fakten sprechen für sich, aber erstaunlicherweise fühle ich mich zum Ende des Jahres besser als diese nüchterne Bilanz erwarten lässt. Vor allem durch die Zeit, die ich mir im Dezember für mich selbst genommen habe, kehren Ausgeglichenheit und Überblick wieder zurück. Besonders im Herbst gab es Tage, an denen ich das Gefühl hatte, mir gleitet alles aus den Händen; Tage des Zweifels, an denen alles in Frage stand. 

Lehres des Jahres: Geduld

Die Lehre des Jahres 2013 heißt für mich persönlich: Geduld. Ob privat oder politisch, die Dinge entwickeln sich langsamer als erhofft, die Welt kennt keine lineare Veränderung. Deutschland hat erneut eine Große Koalition gewählt, die Kräfte der Beharrung sind noch weit stärker als der Wunsch nach Wechsel und Erneuerung. Ich habe alle meine Wetten verloren: auf Schwarz-Grün im Bund sowie auf den Einzug der PIRATEN in den Bundestag (das hat mich 50 Euro, eine Schwarzwälder Kirschtorte und zwei Kästen Spezi gekostet).

Mit dem Spott muss ich nun leben, vielleicht werde ich in Zukunft vorsichtiger tippen, aber vor allem sollte ich mich dabei mehr auf mein Studienfach Geschichte besinnen. Die großen Zusammenhänge, der allumfassende historische Kontext hat mich verführt, meine Ungeduld hat sich mittelfristig absehbare Entwicklungen schon heute herbeigewünscht. Durch den Blick zurück scheint es, als wären historische Prozesse und Ereignisse, Ursache und Wirkung, schnell aufeinander gefolgt – doch lagen dazwischen stets langwierige und steinige Phasen der Stagnation und des Rückschritts. Geschichte braucht Geduld. 

Was ist die Identität der Piratenpartei?

Die beinahe absolute Mehrheit der CDU/CSU ist leider die logische Folge der aktuellen konservierenden Zufriedenheit und Selbstgenügsamkeit unserer Gesellschaft und ich fürchte, eine weitere bittere Wahrheit lautet: der Einzug der Piratenpartei in den Bundestag wäre zu früh gekommen. Zu früh für uns PIRATEN selbst, denn so sehr die auch Niederlagen auf Personen und Streitigkeiten zurückgeführt werden – im Grunde haben wir uns noch nicht gefunden. Wollen wir mit einem neuen Gesellschaftsentwurf aus dem Netz heraus ein progressiv-linksliberales Vakuum füllen oder uns auf unsere sogenannten Kernthemen beschränken und dabei riskieren, in einer politische Nische stecken zu bleiben? Was ist unsere Identität?

Wie divergierend und kontrovers die Meinungen innerhalb unserer Partei darüber auseinandergehen, wurde mir erst in Bremen richtig bewusst. Jeder hat seine Wahrheit. Aber es ist sicher kein Geheimnis, welche strategische Ausrichtung ich für die zwingende und effektivere halte. Am meisten enttäuscht hat mich in Bremen insofern nicht mein persönliches Ergebnis, sondern die implizite Richtungsentscheidung der Partei. Aber auch hier gilt die Losung: Geduld, nicht aufgeben, sondern zeigen, dass die progressiv-linksliberale Ausrichtung erfolgreich ist, z.B. bei der Landtagswahl in Sachsen am 31. August. 

Wer mehr Tiefe und Details meiner Sichtweisen erfahren möchte, der muss sich bis ins neue Jahr gedulden, einen meiner Vorsätze will ich euch verraten: mehr Bloggen!

Hoffnung und Freundschaft

Im Gegensatz zu den Jahren zuvor, hat in 2013 die Geschwindigkeit des epochalen Wandels weg von der Postmoderne hin in eine noch unbenannte Zukunft abgenommen. Und doch schreiten die Triebfedern des Wandels auch unter der Oberfläche heran. Ein Ereignis hat mich in diesem Jahr besonders beeindruckt und in meiner Überzeugung und Philosophie bestärkt: die unglaubliche Fluthilfe der Menschen als Reaktion auf das Hochwasser. Im direkten Vergleich mit 2002 ist es beispiellos wie sehr sich das Internet und die sozialen Netzwerke auf die tatsächliche Hilfe beim Dämmebau und Sandschaufeln vor Ort ausgewirkt haben. Je besser wir vernetzt sind, desto mehr kommt auch unsere gemeinschaftliche, soziale, mitfühlende Seite zum Vorschein – und das gibt Hoffnung auf die Zukunft! 

Wie auch immer sich die Geschwindigkeit der Veränderung im kommenden Jahr entwickelt, möchte ich zuletzt noch auf die großen Gewinne von 2013 blicken, die es trotz der schweren Zeiten gab. Diese großen Gewinne sind die neuen Menschen, die mir im Laufe des Jahres ans Herz gewachsen sind, eigentlich ausnahmslos Pirat*innen. Mit denen ich täglich chatte oder in #myLGS abhänge, wöchentlich Sushi essen gehe und oft bis in die tiefsten Nächte philosophiere und Strategien entwickle. Insbesondere @digitales_Ich möchte ich hier hervorheben, den ich seit bald 2,5 Jahren kenne und durchaus als meinen besten Freund bezeichnen kann. Danke, dass es Euch alle gibt und dass ihr in diesem schwierigen Jahr für mich da wart und seid <3

Auf ins 2014!